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Schweizerische Orchideenstiftung
am Herbarium Jany Renz


Dr. Christoph Noelpp
St. Jakobs-Strasse 30
4002 Basel
Schweiz

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botinst
Botanisches Institut
Universität Basel

Häufig gestellte Fragen zu Orchideen

Phillip Cribb, Royal Botanic Gardens, Kew

Deutsche Übersetzung von Eva Maria Wild und Heiko Hentrich

1. Wieviele Orchideen gibt es?

Die bestmögliche Schätzung geht von aktuell 25'000 Arten weltweit aus. Diese Schätzung stammt von der Word Checklist of Monocots, welche auf der Internetseite der Royal Botanic Gardens, Kew, publiziert und von Rafael Govaerts mit Hilfe von Orchideenwissenschaftlern aus aller Welt zusammengetragen und herausgegeben wurde.

2. Wo kommen Orchideen vor?

Man findet Orchideen auf jedem Kontinent, ausser der Antarktis. Ihre Verbreitung reicht bis in den hohen Norden nach Grönland und den Nördlichen Polarkreis Eurasiens und Amerikas. Auf der Südhalbkugel kommen sie in Amerika bis nach Feuerland, dem Kap von Afrika und den Macquarieninseln (subantarktische Inseln bei Tasmanien) in Australien vor.

3. Welches ist das orchideenreichste Land?

Ecuador hat die grösste Anzahl einheimischer Orchideen. Bis jetzt sind aus diesem Andenland mehr als 3'800 Arten dokumentiert. In der Alten Welt ist das orchideenreichste Land Papua-Neuguinea, mit bis heute mehr als 3'000 erfassten Arten.

4. Findet man Orchideen auch in Europa?

Ja, Orchideen kommen in allen europäischen Ländern, einschliesslich der Azoren, der Kanarischen Inseln, Islands und aller Mittelmeerinseln vor. Bis heute sind über 250 Arten in Europa dokumentiert.

5. Sind Orchideen Parasiten?

Obwohl Epiphyten die Bäume, auf denen sie leben, nicht parasitieren, schmarotzen doch alle Orchideen von den Pilzen, die in ihren Wurzeln wachsen. Wenn ein geeigneter Pilz die Orchidee im Samenstadium befällt, entziehen die Zellen der keimenden Jungpflanze dem Pilz Nährstoffe, welche ihnen beim Wachsen helfen. Dadurch wird der Pilz parasitiert.

6. Sind Orchideen selten?

In Anbetracht der grossen Zahl wilder Orchideenarten überrascht es nicht, dass einige von ihnen in der Natur selten sind. Eine beachtliche Anzahl tropischer Arten sind bisher weniger als zehnmal gesehen worden, was auf ihre schwer zugänglichen Lebensräume in den Baumkronen zurückzuführen ist. Alle Orchideen sind, zumindest in ihrem Anfangsstadium, für die Keimung und das Wachstum von einem Pilz abhängig. Das Vorhandensein bzw. die Abwesenheit eines geeigneten Pilzes, hängt wiederum von Umweltfaktoren, wie dem Bodentyp, dem Klima, der Beschattung und der Pflanzendecke ab, und beeinflusst damit indirekt die Verbreitung der Orchideen. Wenn der geeignete Pilz von Natur aus selten ist, sind auch die Orchideen selten.

7. Sind Orchideen bedroht?

Viele Orchideen sind heutzutage bedroht. Die Ursachen hierfür sind ganz verschieden. Einige sind von Natur aus selten, und kommen nur in bestimmten Lebensräumen vor, die wiederum selbst selten sind. Andere sind durch den Verlust ihres Lebensraumes bedroht. In den Tropen geht dieser vor allem auf Abholzung, Bergbau, Waldbrände oder andere menschliche Aktivitäten zurück. Das sind die Hauptgründe für die Seltenheit von Orchideen. Manche der auffälligeren und aus gärtnerischer Sicht begehrenswerten Arten sind durch übermässiges Sammeln für Handelszwecke bedroht. Wiederum andere sind durch ihre Verwendung in der Volksmedizin, wie zum Beispiel in der traditionellen chinesischen Medizin, bedroht.

8. Sind Orchideen geschützt?

In vielen Ländern stehen Orchideen durch staatliche oder regionale Gesetze unter Schutz. In Europa sind sie grösstenteils durch staatliche Gesetze geschützt und es ist illegal, Orchideen ohne Erlaubnis zu pflücken oder auszugraben, es sei denn, dies passiert auf dem eigenen Grundstück. Darüber hinaus werden Orchideen auch auf andere Art und Weise geschützt. Der gesamte internationale Handel mit Orchideen wird durch das Washingtoner Artenschutzabkommen  kontrolliert (CITES, Convention on Internatinal Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora). CITES-Ausfuhrgenehmigungen sind für alle Orchideen erforderlich, die man von einem in ein anderes Land transportieren will. Manche Länder, und hierzu zählen alle der Europäischen Union, verlangen zudem entsprechende Einfuhrgenehmigungen. Es gibt aber auch wenige Ausnahmen, zum Beispiel für Schnittblumen, Vanilleschoten und für einige ausgewählte künstliche Hybriden, die für den Naturschutz nicht von Interesse sind. Weiterführende Informationen über den internationalen Handel, findet man auf der CITES-Webseite.

9. Sind Orchideen schwierig zu kultivieren?

Viele Orchideen sind relativ einfach zu kultivieren und zur Blüte zu bringen, besonders einige der tropischen epiphytischen Arten, die in Gärtnereien, Blumenläden und Supermärkten verkauft werden. Man kann sie auf einem Platz im Gewächshaus oder zu Hause auf dem Fensterbrett pflegen (ein Nordfenster ohne direktes Sonnenlicht ist am besten). Normalerweise zieht man sie in Töpfen in einem sich nicht zersetzenden Substrat, welches auf Rinde, Steinwolle oder Gestein basiert. Häufig wird Kohle hinzugefügt, um die Orchideenerde basisch zu halten. Die Hauptgründe, für ein Misslingen der Orchideenkultur sind zu häufiges Giessen und zu tiefe Temperaturen (einmal in der Woche gut wässern und nie den Topf im Wasser stehen lassen ist für die meisten Pflanzen ausreichend. Zum Düngen kann man einen Standarddünger verwenden, jedoch nur ein Viertel der angegeben Menge). Manche Orchideen sind winterhart in Europa, aber die meisten Pflanzen aus Gärtnereien stammen ursprünglich aus den Tropen oder Subtropen. Daher mögen sie es warm und vertragen keine Temperaturen unter 12°C.

10. Kann man Orchideen aus Samen ziehen?

Ja, aber das ist Arbeit für einen Spezialisten. Orchideen haben mikroskopisch kleine Samen, die aus einem Embryo und einer Samenhülle bestehen. Sie besitzen kein Endosperm, das Nährgewebe, welches die Keimlinge der meisten Pflanzen, etwa der Bohnen oder Erbsen versorgt. In der Natur können sie nur keimen, wenn ein entsprechender Pilz sie befällt. Dieser Pilz liefert ihnen die Nährstoffe, die es ihnen ermöglichen, zu keimen und zu wachsen. Man kann die Wirkung des Pilzes unter Laborbedingungen nachahmen, indem man die sterilisierten Samen auf einem Nährboden (Agar-Agar) aussäht. Der Embryo kann dann die Nährstoffe direkt aus dem Agar-Agar aufnehmen, um zu keimen und zu wachsen. Orchideen-Jungpflanzen werden normalerweise erst in Orchideenerde umgesetzt, wenn sie grüne Blätter entwickelt haben.

11. Sind Orchideen nützlich?

Ja, in vieler Hinsicht. Der weltweite Orchideenhandel mit Schnittblumen und Topfpflanzen ist jedes Jahr ein Millionengeschäft und nützt vielen Ländern, einschliesslich auch einigen der Ärmeren. Orchideen haben nützliche Eigenschaften und manche medizinisch verwendet, vor allem in der Volksmedizin, zum Beispiel in China, Südostasien und Indien. Die Vanille ist eine der bekanntesten Orchideen. Der Extrakt, der aus ihren fermentierten Samenkapseln gewonnen wird, ist ein Haupterzeugnis einiger Länder, wie Madagaskar und La Réunion. Es bringt ihnen dringend benötigte ausländische Devisen ein. Vanille ist ein Bestandteil vieler Lebensmittel und Getränke, wie Coca Cola und Pepsi, sowie Düfte.