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Schweizerische Orchideenstiftung
am Herbarium Jany Renz


Dr. Christoph Noelpp
St. Jakobs-Strasse 30
4002 Basel
Schweiz

© 2015 Swiss Orchid Foundation

botinst
Botanisches Institut
Universität Basel
Fonudation

Dr. Jany Renz

Dr. Jany Renz, 1907-1999

Albert Hofmann †, Burg im Leimental

Jany Renz wurde am 25. Juni 1907 in Korfu, Griechenland geboren, wo er die ersten Jahre verbrachte. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges zog die Familie ins Tessin. Dort, im Castel San Pietro, verlebte er seine Kindheit und erhielt Privatunterricht durch seine Mutter. Die Mittelschule besuchte er in der Ostschweiz, während die Eltern nach dem Ende des Krieges wieder nach Griechenland zogen. Nach der Matur verbrachte Jany Renz zwei Jahre in Griechenland, wo er die ersten botanischen Studien begann. Anschliessend studierte er beim nachmaligen Nobelpreisträger Prof. Heinrich Wieland in München Chemie. Das Studium war ab und zu unterbrochen durch längere Griechenlandaufenthalte und Reisen nach Nordafrika und Kleinasien, auf der Suche nach Orchideen. 1936 begann er als Chemiker in der Forschungsgruppe von Prof. Arthur Stoll in der damaligen Sandoz AG in Basel zu arbeiten. 1943 heiratete er Sarah Märklin. Der Ehe entsprossen zwei Kinder, die Söhne Felix und Thomas. Mit dem Rücktritt von Prof. Arthur Stoll von der aktiven Geschäftsleitung 1956, wurde Jany Renz mit der gesamten Leitung der pharmazeutisch chemischen Forschung und Fabrikation betraut. 1971 trat er vom aktiven Geschäftsleben zurück und widmete sich nun ganz den Orchideen. 1994 starb seine Ehefrau Sarah. 1997 heiratete er Heidi Freudiger, die ihn treu pflegte und begleitete. Am 10. August 1999 ist Jany Renz friedlich eingeschlafen.

Liebe zur Natur

Ein roter Faden zieht sich durch das ganze Leben von Jany Renz: die Liebe zur Natur in ihrer ganzen Vielfalt und ganz besonders zur Pflanzenwelt. Während er sich bei seinen Studien der Orchideen mit der äusseren Gestalt der Pflanze, mit dem Reichtum und der Schönheit ihrer Formen und Farben befasste, galt sein Interesse bei der Erforschung von Heilpflanzen den Inhaltsstoffen, deren Chemie und pharmakologischen Wirkung.

Studium und Forschung

Das Studium der Chemie schloss Jany Renz 1934 mit einer Doktorarbeit über die Giftstoffe des Knollenblätterpilzes bei Prof. Heinrich Wieland in München ab. Seine berufliche Laufbahn als Naturstoff-Chemiker begann 1936, als er in die pharmazeutisch-chemischen Forschungslaboratorien der Firma Sandoz AG in Basel eintrat, die unter der Leitung von Prof. A. Stoll standen.

Schon nach Jahresfrist gelang ihm die Isolierung und Reindarstellung von K-Strophanthosid, dem Hauptglykosid der Samen von Strophanthus kombé. Diese erste Publikation über herzwirksame Glykoside und glykosidspaltende Enzyme war der Anfang einer ununterbrochenen Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten.

Dank seiner umfassenden Kenntnisse und klaren Intelligenz, seiner experimentellen Geschicklichkeit, seiner Ausdauer im Verfolgen der einmal gesteckten Ziele und seiner Fähigkeit, auch bei der komplexen Forschungsarbeit das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, trug Jany Renz mit vielfältigen Forschungsergebnissen zum Gedeihen des pharmazeutischen Departements bei.

Herzglykoside

Aus seinem eigenen Laboratorium und denjenigen seiner Mitarbeiter resultierten neben den Arbeiten über Strophanthus, Periploca graeca und Coronilla glauca wesentliche Beiträge über glykosidspaltende Enzyme, die aus Pflanzen, Pilzen und tierischen Organen gewonnen wurden. Einen grossen Teil seiner Arbeit widmete er der Scilla maritima. Es gelang ihm, aus der roten Varietät der Meerzwiebel das hochwirksame Glycosid Scillirosid zu isolieren, welches gleichzeitig ein spezifisches Gift gegen Nagetiere ist. Auch führte er erstmals die verteilungschromatographische Trennung von Herzglykosiden und Aglykonen auf Silicagel-Säulen durch. Unter seiner Leitung wurden durch seine Mitarbeiter in der Digitalispflanze zwei neue Glykoside entdeckt. Sein wissenschaftlicher Beitrag auf dem Gebiet der herzwirksamen Glykoside umfasst 36 Publikationen.

Eine weitere Forschungsrichtung betraf die Podophyllum-Arten und die Wirkung ihrer Glykoside als zellteilungshemmende Faktoren. 14 Arbeiten zeugen von einer bemerkenswerten Arbeitsintensität. In weiteren Publikationen ist die wissenschaftliche Ausbeute seiner Arbeit über verschiedene Antibiotika und Naturstoffe niedergelegt.

Aus der Entwicklung der Phenothiazine nahm Jany Renz als verantwortlicher Leiter der Forschung ebenfalls teil. Daraus entstand das weltweit bekannte Melleril®. Ebenso erfolgreich wie in der pharmazeutisch-chemischen Forschung war Jany Renz in einer anderen Tätigkeit, bei der sich der Erfolg aber weniger nach praktischer Verwertbarkeit als vielmehr nach geistiger und musischer Beglückung bewerten lässt: Bei seiner liebevollen, lebenslangen Beschäftigung mit den Orchideen.

Orchideenbeschreibung

Bereits mit 21 Jahren beschrieb er seine erste neu entdeckte Orchidee in Griechenland; ungefähr hundert weitere folgten in seinem Leben. Während er in den Jahren seiner beruflichen Tätigkeit seiner Orchideen-Leidenschaft nur zeitweise frönen konnte, trat diese nach seiner Pensionierung ganz in den Vordergrund. Ausgedehnte halbjährige Reisen in seinem Range Rover führten ihn in den Jahren 1972 bis 1975 in den Iran, nach Afghanistan und Pakistan. Das dort gesammelte Material fand seinen Niederschlag in der "Flora Iranica" und der "Flora of Pakistan". Auf seinen Reisen interessierten ihn nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Menschen in diesen Ländern: es gelang ihm, Natur und Kultur miteinander zu verbinden. Diese Sicht gab er an andere Menschen weiter.

Publikationen

Nach Abschluss der Flora Iranica bearbeitete er die Orchideen für die Flora of Turkey. Kleinasien kannte er seit seiner Jugend, und er hatte schon früher mehrere neue Orchideenarten aus diesem Gebiet publiziert. Alsdann kamen Arbeiten aus dem südlichen Afrika und Ozeanien, in den 80er Jahren dann Bearbeitung der Orchideen für die Flora der Guayanas und kurz vor seinem 90. Geburtstag übernahm er noch den Auftrag, die Orchideen für die Flora Bhutans zu bearbeiten. Dieses Florenwerk, in dem neben mehreren neu entdeckten Arten auch eine neu beschriebene Gattung erstmals publiziert werden wird, steht kurz vor seiner Veröffentlichung.

Lebenswerk

In seinem Refugium im obersten Stock seines Hauses, im Herbar und der dazugehörigen Bibliothek hat Jany Renz sein Lebenswerk hinterlassen, das seine unermüdliche Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Orchideen widerspiegelt. Praktisch die gesamte, je über Orchideen publizierte Literatur ist dort vereinigt, wie auch über 20'000 Herbarbelege und alle Typen seiner erstbeschriebenen Pflanzen. Seine wissenschaftlichen Leistungen erfuhren internationale Anerkennung, er stellte sie aber nie in den Vordergrund. Er unterhielt intensive Kontakte zu allen wichtigen Universitäten, wo er allseits wegen seiner Bescheidenheit und grossen Verdienste hochgeschätzt wurde. Die wissenschaftliche Sammlung wird nach seinem Willen am Botanischen Institut der Stadt Basel weiterleben. Sie wird dort an einen allgemein beliebten, feinfühligen, freudigen Menschen und erfolgreichen Naturforscher erinnern.