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Schweizerische Orchideenstiftung
am Herbarium Jany Renz


Dr. Christoph Noelpp
St. Jakobs-Strasse 30
4002 Basel
Schweiz

© 2015 Swiss Orchid Foundation

botinst
Botanisches Institut
Universität Basel
Fonudation

Renz' Reisen

Dr. Jany Renz' Reisen

Dr. Phillip Cribb, Royal Botanic Gardens Kew

Herbarien sind unersetzlich für die systematische Erforschung von Pflanzen. Herbarien sammeln sich aber nicht von alleine, sondern ihr Aufbau erfordert Jahre harter Arbeit und viele Reisen. Dr. Jany Renz widmete sich dem Aufbau seines bemerkenswerten privaten Orchideenherbars über einen Zeitraum von mehr als 80 Jahren. Bis zu seinem Tod befand sich dieses im Dachstock seines Hauses in Basel. Das Herbar umfasst mehr als 20'000 Belege einschliesslich sämtlicher Typen von Orchideen, die Jany Renz selbst als neue Arten beschrieben hat. Er war 21 Jahre alt, als er erstmals eine neue Orchideen-Art beschrieb. Diese hatte er in Griechenland entdeckt. Im Verlauf seines Lebens kamen ungefähr 100 weitere Beschreibungen neuer Arten hinzu.

Reisen

Auf der Suche nach Orchideen reiste Jany Renz viel. Seine ersten Reisen beschränkten sich auf Europa, besonders auf Griechenland und Kreta. Später, als sich seine Kenntnisse europäischer Orchideen verbessert hatten, führten ihn seine Reisen in die Türkei, dann in den Iran und schliesslich in die Tropen. Seine Orchideen-Sammelreisen waren oft kombiniert mit dem Besuch chemischer oder botanischer Konferenzen. Auf einigen seiner Feldreisen trafen wir uns: in Thailand, Afrika, New Guinea und Japan. Gelegentlich verbrachten wir sogar einen oder zwei Tage gemeinsam im Feld, beispielsweise in den Bergen nördlich von Chiang Mai, dies in Begleitung des südafrikanischen Orchideen-Spezialisten Prof. Ted Schelpe und des thailändischen Botanikers Dr. Tem Smitinand.


 

Präparation von Herbarbelegen

Auf seinen Reisen präparierte Jany Renz seine Herbarbelege für spätere Untersuchungen. Orchideen sind schwierige Objekte für den Sammler. Viele haben sukkulente Stängel, Blätter, Knollen oder Wurzeln, und oft sind die Blüten fleischig. Allzu leicht schimmeln oder verfaulen Herbarbelege von Orchideen, besonders in den Tropen. Es ist alles andere als einfach, Orchideen derart zu herbarisieren, dass das Resultat ästhetisch und wissenschaftlich befriedigend ist. Jany Renz schaffte beides, und als Resultat ist es ein Vergnügen, seine Herbarbelege zu studieren und damit zu arbeiten. Sie gehören zu den am besten erhaltenen Orchideen-Belegen, die ich je gesehen habe.


Gezieltes Sammeln

Seine Reisen waren darauf ausgerichtet, diejenigen Orchideen und Gattungen zu sammeln, mit denen er sich gerade beschäftigte. Zwischen 1972 und 1975 bereiste er auf halbjährigen Expeditionen mit seinem Range-Rover den Iran, Afghanistan und Pakistan. Das Material, das er auf diesen Reisen sammelte, beschrieb er in den Orchideenkapiteln der Flora Iranica (1984) und der Flora of Pakistan (1984), letztere herausgegeben von seinem guten Freund Prof. Karl Heinz Rechinger aus Wien. Dr. Peter Davis aus Edinburgh bat ihn daraufhin, zusammen mit Gerd Taubenheim, die Familie der Orchideen für die Flora of Turkey (1984) zu bearbeiten. Diese ausgezeichneten Arbeiten konnten nur von jemanden geschrieben werden, der sich detaillierte Kenntnisse der Orchideen im Feld angeeignet hatte. Man muss nur einmal die Belege von Ophrys oder Epipactis in einem Herbarium untersuchen, um zu realisieren, wie schwierig diese zu interpretieren oder zu identifizieren sind und was für eine ausgezeichnete Arbeit Jany Renz leistete. Seine Arbeiten haben die Zeiten überdauert und sind bis heute Standardbearbeitungen für diese Regionen geblieben, trotz zahlreicher Überarbeitungsversuche späterer Autoren


Habenarien

Besonders wertvoll war seine Sammeltätigkeit und sein Interesse an der Systematik des Subtribus Habenariinae. Arten dieser Gruppe kommen fast überall vor, vom Polarkreis bis zum südlichsten Zipfel Afrikas, in Europa, Afrika, Madagaskar, Asien, den Pazifischen Inseln und in Amerika. Er studierte diese Gruppe auf jedem Kontinent und so weit entfernt wie auf den Fiji-Inseln, in Malawi und Ecuador. Obwohl er sein Ziel, eine weltweite Revision des Subtribus vorzunehmen, nicht realisieren konnte, publizierte er wichtige Teilrevisionen (Renz 1980, 1987, 1989; Renz & Grosvenor 1979; Renz & Schelpe 1980; Renz & Vodonaivalu 1989, Pearce, Cribb & Renz 1999). Seine Arbeit und sorgfältigst präparierte Sammlungen warten auf den nächsten Wissenschaftler, der sich mit dieser schwierigen Gruppe beschäftigen wird und dem diese Arbeit dank der Sammlung Renz sehr viel einfacher fallen wird.

Übersetzung: Jürg Stöcklin